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Meine erste Nahtoderfahrung in Pico 🌋

20. Okt.
3 Min. Lesezeit

Sonnenaufgang auf dem höchsten Berg Portugals - klingt gut, oder? Das dachten wir uns auch. Deshalb haben sich mein Mann und ich wĂ€hrend unserer Flitterwochen auf den Azoren den Monthana do Pico vorgenommen. Dieser Berg liegt auf der gleichnamigen Insel Pico und ist 2.351 Meter hoch. Es handelt sich um einen aktiven Vulkan, der allerdings schon sehr sehr lange ruhend ist. Der letzte bestĂ€tige Ausbruch ist bereits mehrere hundert Jahre her. Daher machten wir uns darĂŒber keine Gedanken 🌋


Laut unseren Internetrecherchen muss man die Wanderung auf den Pico mit einem lokalen Guide machen und darf nicht alleine auf's gerade Wohl losmarschieren. Entlang des Weges haben wir dann trotzdem vereinzelt Touristen ohne Guide gesehen. Ich war aber heilfroh um unsere Begleitung. Warum? Das wirst du gleich nachvollziehen können 😉


Fangen wir von vorne an. Um 00:20 Uhr klingelte der Wecker. Bei dichtem Nebel und Regen fuhren wir mit unserem Mietauto circa eine Stunde zum Ausgangspunkt der Sonnenaufgangswanderung. Im sogenannten Mountain House auf 1220 Meter trafen wir unseren Guide und die restliche Wandergruppe. Wir waren insgesamt 8 Personen aus unterschiedlichen LĂ€ndern und mit unterschiedlichen Wandererfahrungen. Gegen 2:00 Uhr sind wir aufgebrochen, leider immer noch bei Nebel und Regen. Langsam aber stetig kĂ€mpften wir uns den rutschigen Weg hinauf, wobei es immer kĂ€lter wurde, je höher wir kamen. Pausen machten wir nur kurze, da bei Stillstand die KĂ€lte noch viel schlimmer war. Regen und Nebel waren leider nicht unser einziges Problem - denn die starken Windböen ließen die Temperaturen noch kĂ€lter erscheinen 💹


Gegen 5:00 Uhr - und somit frĂŒher als erwartet - kamen wir klitschnass unterhalb des Piquinho an. 50 Höhenmeter trennten uns noch vom Gipfel. Da es allerdings noch viel zu frĂŒh war fĂŒr den Sonnenaufgang und es weiterhin regnete und stĂŒrmte, suchte unser Guide nach einem Unterschlupf. Es hatte 0 Grad Celsius, meine Kleidung war komplett durchnĂ€sst und mir war einfach nur eiskalt đŸ„¶


Unser Guide entdeckte eine unterirdische Höhle im Boden, welche ĂŒber ein kleines Loch zu erreichen war. Ich dachte mir "Der spinnt! Ich geh da sicher nicht rein!". Naja, nachdem er die Höhle inspiziert hatte und sozusagen fĂŒr uns freigab, kletterten die Ersten hinein. Ich war hin- und hergerissen! Lieber frieren bei wahnsinnig starken Windböen und Regen oder mich meiner Platzangst stellen in einer windstillen, aber engen Höhle? Ich hab mich fĂŒr die Platzangst entschieden - ist mir dann doch vernĂŒnftiger erschienen als zu "erfrieren". Also ab in die Höhle 😳


So hockten wir nun eng aneinander gereiht in unserem Unterschlupf. Alle KleidungsstĂŒcke die ich mithatte und noch nicht am Körper trug, zog ich an. Es war immer noch kalt, aber zumindest windstill. Ich war sehr mit mir selbst beschĂ€ftigt und versuchte mich gedanklich abzulenken: Nicht daran denken, wie eng es hier unten ist, wie ich hier wieder rauskomme, einfach langsam einatmen, ausatmen. Bis circa 6:30 Uhr verharrten wir dort und warteten auf den Sonnenaufgang 🕱


Eigentlich war der Plan, dass wir die letzten 50 Höhenmeter zum Gipfel Piquinho noch erklimmen, bevor die Sonne aufgeht. Dieser Part ist allerdings ausgesetzt und weist leichte Kletterstellen auf. Es regnete zwar nicht mehr, aber die Windböen waren nach wie vor sehr stark. Aus diesem Grund entschied unser Guide, dass wir den letzten Abschnitt der Wanderung nicht mehr machen - es war ihm zu gefĂ€hrlich. Ehrlicherweise war es mir zu diesem Zeitpunkt egal. Ich wollte das die Sonne aufgeht und wir uns dann endlich wieder auf den Weg nach unten machen 😬


Und dann kam die Sonne! Der starke Wind fĂŒhrte dazu, dass die Wolken so schnell an uns vorbeizogen, dass man in einem Moment rein gar nichts sah und im nĂ€chsten Moment von der Sonne und dem blauen Himmel geblendet wurde. Eine ruhige, mystische Stimmung machte sich breit. Die Sonnenstrahlen ließen uns wortwörtlich auftauen und taten der Seele gut. Und dann dachte ich mir: Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen! Und dafĂŒr bin ich dankbar 🌄


Wenn ich Freunden von dieser Wanderung erzĂ€hle, sage ich immer, dass das meine erste Nahtoderfahrung auf den Azoren war (Spoiler: Es gibt noch eine Zweite - dazu kommen wir aber ein anderes Mal). Das ist natĂŒrlich etwas ĂŒbertrieben. Dennoch kam ich körperlich und geistig an meine Grenzen - und das ist gut so 😊


Hier ein paar Impressionen vom Monthana do Pico đŸ“·


 
 
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